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Businesstreff „reden mit essen“ wieder im Colosseum Theater

KellerBusinesstreff „reden mit essen“ wieder im Colosseum Theater

Weiter facettenreiche Lebensqualität

„reden mit essen“ – über und mit der Kulturhauptstadt 2010. Seit Februar 2005 ist das zehnmal im Jahr der Titel für den angesagten Business- und Medientreff im Foyer des Colosseum Theaters der Metropole. Auch am Dienstag, 15. Dezember, war das renommierte Musicalhaus wieder Terrain für eine neue kreative Runde von Journalisten, Fernsehschaffenden, Unternehmern, Künstlern, Politikern, Werbenden und Sportlern des Ruhrgebiets.

Außergewöhnliche Atmosphäre als Basis für inspirierende Gespräche – man traf sich am üppigen Buffet oder auch in der Raucher-Lounge. Alles pulsierend sowie branchenübergreifend und eingeladen durch die Firmengruppen SIGNA Property Funds Deutschland und VVA Kommunikation in Kooperation mit der RUHR.2010 GmbH.

In diesem würdigen Rahmen machten sich die Gäste wieder selbst zum Programm, wie immer entstand ein interessantes Podium für Netzwerker, wie immer mehr als ein Szenetreff, sondern mittlerweile eine ungemein beliebte Institution, monatlich selbstverständlich verankert in den Terminkalendern. Diesmal zum Jahresausklang 2009: Man gönnte sich einen Rückblick und diskutierte über kommende Entwicklungen 2010.

Kontakte wurden gepflegt, der „kleine Dienstweg“ beschritten. Mögliche Geschäfte sind nicht der Hauptbeweggrund, das ist auch ein Stück Lebensqualität und Nachhaltigkeit. Mit allen Facetten. Jeder Teilnehmer präsentiert sich als Modul der Metropole Ruhr, jeder ist ein kleiner oder größerer Lokal-Patriot der Ruhr-Region, der größten Stadt der Bundesrepublik, deren Kulturangebot nicht schlechter ist als das der Hauptstadt Berlin und in der Essen eine Schlüsselfunktion zukommt. Alles auf dem Weg in Richtung 2010, ein gelebter Vorgeschmack auf ein spannungsreiches Programm mit Kunst, Theater, medialer Kreativität, Oper, Industrie, Sport – die Metropole Ruhr lässt sich entdecken. „Das Ruhrgebiet atmet nicht mehr Staub, sondern Zukunft“ resümierte der Schriftsteller Adolf Muschg als Vorsitzender der nationalen Kulturhauptstadt-Jury im Rahmen der damaligen Ausscheidung verwundert – und darf sich bestätigt fühlen. Die Kommission der Europäischen Union wurde durch das Konzept vom „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“ nicht zu Unrecht überzeugt.

So auch die kollektive Meinung bei „reden mit essen“. So viele Kontakte sind sonst das Ergebnis von vielen Abenden. Jeder gestaltet die modifizierende Wahrnehmung des Ruhrgebiets. Ehemals war Kohle und Stahl das charakteristische Merkmal – jetzt ist es Kultur, sind es vielfältige, kreative Ideen und eine Allianz von unterschiedlichsten Medien. Beispielhaft beim traditionellen und illustren Forum, das „reden mit essen“ bot und in der Zukunft natürlich weiter bieten wird.

Interview mit Ex-Schwimmweltmeister Christian Keller bei „reden mit essen“

Der Blick über den Tellerrand

Beim exklusiven Business- und Medientreff „reden mit essen“ im Colosseum Theater der Kulturhauptstadt Essen, bei dem sich monatlich Journalisten, Fernsehschaffende, Unternehmer, Künstler, Werbende, Politiker und Sportler des Ruhrgebietes zusammenfinden, trafen wir Ex-Schwimmweltmeister Christian Keller zu einem Interview zu sehr aktuellen Themen.

Christian Keller, abseits der Kulturhauptstadt-Emotionen – welchem Sportereignis fiebern Sie 2010 entgegen?

Der Kurzbahn-Schwimm-Weltmeisterschaft im Dezember in Dubai und der Europameisterschaft in Budapest im August. Das sind die Großereignisse, bei denen Britta Steffen und Paul Biedermann wieder nach Medaillen greifen. In Budapest bin ich als ZDF-Co-Kommentator dabei, das sind besondere Momente für mich. Natürlich kommt dann noch die Fußball-WM in Südafrika, ich hoffe, dass Deutschland diesmal über den dritten Platz hinaus kommt.

Im Schwimmen werden jetzt alle Rekorde, die mit der zweiten „Anzughaut“ geschwommen wurden, auf Eis gelegt – gut so?

Ja, dann geht es tatsächlich um Technik, um schwimmerisches Können, um Trainingsinhalte und Taktik. Bei den Anzügen ist es so, dass man aufgrund dieser tragenden Funktion ein Rennen ganz anders bestreiten kann. Auch Athleten, die technisch nicht so versiert sind, haben Chancen, nach vorne zu kommen. Mit den Rekorden sollte sich der internationale Schwimmverband …

… die Fédération Internationale de Natation (FINA) …

etwas einfallen lassen. Alle Zeiten, die zuletzt geschwommen wurden, sind vielleicht Rekorde für die Ewigkeit. Die FINA sollte eine Eliminierung der Weltrekordzeiten ab dem 1. Februar 2009 vornehmen oder die Anzüge zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht wieder zulassen.

Ein Paul Biedermann wird nicht nur durch diesen Anzug so enorm schnell sein – oder?

Wenn Paul den Anzug ins Wasser schmeißt, dann schwimmt das Ding nicht von alleine. Er wird aber ohne den Anzug zwei bis vier Sekunden von seinen Bestzeiten entfernt sein. Ich bin gespannt, wie sich das vor allen Dingen im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2012 in London entwickelt.

Man sah Sie wieder schwer aktiv im Wasser.

Ich habe ein zeitlich befristetes Comeback durchgeführt. Daraufhin habe ich in den letzten acht Wochen intensiv gearbeitet. Nach meinem Hochleistungssport hörte ich nicht auf, schwimme jeden Tag vor der Arbeit von 7.00 bis 7.30 Uhr 2000 Meter. Dann habe ich mit der ersten Mannschaft der SG Essen trainiert, absolvierte viele Rennen gegen Youngster, die mich herausforderten. Coach Henning Lambertz sah meine Fitness, wir versuchten, zusammen Deutscher Kurzbahn-Meister zu werden.

Der Vizetitel sprang heraus.

Champion SV Würzburg verstärkte sich mit Thomas Rupprath, der Mann ist auf der Kurzbahn eine Ikone und ein Weltklasseschwimmer. Dazu kamen bei uns krankheitsbedingte Ausfälle. Die Silbermedaille war für mich noch einmal ein Kick. Über 100 Meter Schmetterling schwamm ich fast Bestzeit. Es war für mich aber auch ein Zeichen, dass ich zur richtigen Zeit aufhörte. Die Entbehrungen und disziplinarischen Trainingsmaßnahmen waren hart, mit fast 37 Jahren hat man andere Prioritäten.

Verfolgen Sie die Diskussion im Fall der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein?

Natürlich sehe mit großem Interesse, wie sich ein solcher Indizienprozess entwickelt, jemand in diesem Ablauf gesperrt wird. Es ist allgemein bekannt, dass man an Schwellen herangedopt werden kann, ohne, dass man positiv getestet wird. Wenn das bei Claudia der Fall sein sollte, fände ich das dramatisch. Ich glaube, der deutsche Sport ist insgesamt nicht komplett sauber. Wir haben ein flächendeckendes Kontrollsystem und exzellente Verfahren, aber es gibt Mechanismen, die es einem erlauben, verbotene Stimulanzien zu sich zu nehmen, ohne dass es auffällt. Die Hintermänner, die dafür Sorge tragen, dass man nicht positiv getestet wird, dass die Mittelbeschaffung klappt, müssen ganz hart strafrechtlich verfolgt werden. Der überführte Athlet sollte lebenslang gesperrt werden.

Wäre ein „Hype“ um einen Tiger Woods auch in Deutschland möglich?

Man sieht es an Boris Becker, es war ein Hype da. Seine Tochter Anna wird ja immer noch in den Medien, mehr oder weniger freiwillig, gezeigt. Aber Boris wurde nicht so derart abgestraft wie Woods. Er ist ein Wunder-Golfer, das ist offensichtlich eine Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn. Ich hoffe, er kommt in den Sport zurück und hat dann sein Privatleben geordnet.

Wenn Sie sich an das öffentliche Interesse am Fall Robert Enke entsinnen. Wie viel ehrliche Nachhaltigkeit war dabei und wie groß war die Heuchelei, wenn man jetzt berücksichtigt, was beim VfB Stuttgart oder aktuell beim 1.FC Nürnberg passiert?

Es war dramatisch, dass ein Akteur wie Enke nicht den Versuch unternehmen konnte, sich zu outen. Er wollte das saubere Bild des erfolgreichen Torhüters präsentieren. Für mich war mein Privatleben immer das Wichtigste, dafür hätte ich meine Karriere auch an den Nagel gehängt. Dass sein Tod eine Welle von Solidarbekundungen ausgelöst hat und der Fußball eine Woche still stand, hat nicht dazu geführt, dass sogenannte Fans sich therapierten. Für die beginnt der Alltag bei jedem Spieltag neu. Erschreckend ist, dass eine Anzahl von Menschen den Fußball für ihren Aggressionsabbau missbraucht, die gehören nicht ins Stadion. Man muss aufmerksam differenzieren zwischen den Menschen, die aus dem Fall Enke lernten und den Unverbesserlichen, die man aus den Fußballstadien entfernen muss.

Stichwort Bildungsdebatte in Deutschland, die Studenten sind auf der Straße und Besetzen die Hörsäle. Wie ist Ihre Meinung?

Man hört über überfüllte Hörsäle und Professoren, die überschaubar motiviert sind. Studiengebühren kommen dazu. Ein Student muss, wenn er nicht gerade zu hause wohnt, für sich selbst sorgen. Das ist ein hartes Brot. Wenn man aber einmal in die USA schaut, ist das Standard, dort kosten Studiengänge im Jahr 30000 bis 35000 US-Dollar. Vielleicht kommt irgendwann der Punkt, dass auch die Schule Geld kostet. Ich kann die Studenten verstehen, es geht auch um Inhalte des Bachelor-Abschlusses und um vernünftige Auseinandersetzung.

Kulturhauptstadt heißt auch gelebte Toleranz im Herzen Europas – wenn Sie z.B. das Minarettverbot in der Schweiz und die nun auch in Deutschland angekommene Diskussion verfolgen – welche Meinung haben Sie?

Der souveräne Volksentscheid in der Schweiz ist bedenklich. Vielleicht wurde dort verglichen, wie schwer es ist, als Christ in der Türkei zu leben. Ich glaube schon, dass es dort ein Missverhältnis gibt zu bestehenden Kirchen. Es wäre schön, wenn auch dort eine Liberalisierung möglich wäre. Aber man schafft nur Vertrauen durch Integration. Die Kulturhauptstadt 2010 symbolisiert die große Chance für eine multikulturelle Gesellschaft, das Ruhrgebiet ist ein großer Schmelztiegel, eine super Visitenkarte. Ich bin stolz, als Volunteer dabei zu sein.

Bundeswehr in Afghanistan – die Debatte wird immer schärfer. Wie ist Ihre Meinung?

Als ich 1993 bei der Bundeswehr war, war das eher eine Verteidigungsarmee. Mittlerweile gibt es internationale Verpflichtungen. In Afghanistan herrscht Krieg, wer so naiv war, zu glauben, dort kämen keine Menschen zu Schaden, der hat sich mit der Thematik nicht beschäftigt. Ich drücke Karl-Theodor zu Guttenberg die Daumen, dass er aus dieser Debatte gestärkt hervor geht. Innenpolitisch versucht die Sozialdemokratie, ihn zu schwächen. Er hat Sympathiewerte, ist nicht nur als Wirtschaftsminister kompetent, sondern auch jetzt als Verteidigungsminister.

Klimagipfel in Kopenhagen – wie verfolgen Sie die Diskussion?

Gut, dass sich die Amerikaner durch Präsident Barack Obama einbinden. Auch Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger war da. Die Lage ist alarmierend, es ist höchste Zeit, dass etwas passiert. Das kann aber jeder Einzelne durch ein bewusstes Leben machen, bei jedem fängt der Klimagipfel an, den hat jeder auch zuhause.


Sie sind selbst „Banker“ bei der Weberbank in Essen. Wie viele Finanzkrisen-Diskussion mussten Sie in der Vergangenheit führen?


Ich selbst hatte diesbezüglich keine unangenehmen Gespräche, wir beraten den Kunden offen, transparent, nachhaltig und ehrlich. Lehman-Brothers-Zertifikate hatten wir nicht. Wir wollen die Risikovermeidung für den Kunden, verfolgen eine konservative Anlagestrategie. Es wird in der Diskussion nicht unterschieden zwischen dem Bankangestellten an der Kasse, dem Investmentbanker oder Privat-Banker, alle sind schlecht. Das ist schade und nicht vertrauensbildend.

BU:
Christian Keller bei der Networking-Veranstaltung „Reden mit Essen“.

Zur Person
Christian Keller nahm als Schwimmer an vier Olympischen Spielen teil. Beim „Ringe-Fest“ 1996 in Atlanta gewann der 37-Jährige Bronze über 4×200 Meter Freistil. Die Liste der Erfolge des Athleten der SG Essen ist beeindruckend lang. Insgesamt gewann der Vater einer Tochter von 1991 bis 2004 35 nationale Meistertitel, neun über 200-Meter-Lagen, fünf über 100 Meter Schmetterling. Bei der Europameisterschaft 1991 gewann er Bronze über 4×200 Meter Freistil. Bei der EM 1993 holte er Silber über 4×200 Meter Freistil und Bronze über 200 Meter Lagen. Im gleichen Jahr gewann er bei der Kurzbahn-WM über 200-Meter Lagen den Titel, dazu auch Silber über 200 Meter Schmetterling und 4×200-Meter Freistil. Bei der WM 1994 holte er eine Bronzemedaille über 4×200-Meter. 1995 triumphierte er bei der EM über 4×200-Meter, dazu kam Bronze über 200 Meter Lagen. Bei der EM 1997 holte Keller Bronze über 4×200 Meter Freistil, bei der EM 1999 Gold über 4×200 Meter Freistil, Silber über 4×100 Meter Lagen und Bronze über 4×100 Meter Freistil. Auch die EM 2000 war erfolgreich: Silber über 200 Meter Lagen und Silber über 4×200 Meter Freistil. Bei seiner Abschluss-WM 2003 gewann er Bronze über 4×200 Meter Freistil. Außerdem kann der Bankkaufmann auf Weltcupsiege 1993, 1994, 1995, 1998, 1999, 2000, 2001 und 2004 verweisen. Keller wurde durch Bundespräsident Professor Dr. Roman Herzog und Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl das „Silberne Lorbeerblatt“ verliehen. Er arbeitet als Private Banker bei der Weberbank Actiengesellschaft in Essen und steht dem ZDF als TV-Schwimmexperte zur Verfügung. Des Weiteren hat er den Marathonlauf für sich entdeckt.

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16. Dezember 2009 - Posted by | Allgemeines | ,

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